The Belles ist das beste Beispiel für ein Buch, das man nicht anhand seines Einbandes bewerten sollte. Sechs Jahre lang hat dieses Buch mein Regal gehütet und darauf gewartet, aufgeschlagen zu werden. Es hat jedes Bücher-Ausmisten, jedes Umsortieren und jeden Umzug überlebt und ausgeharrt. Es war zu schön, um es wegzugeben. Gleichzeitig wirkte es zu süß, zu blumig, zu hyperfeminin auf mich, um aufgeschlagen zu werden.
Wie sehr ich mich geirrt habe.
Informationen zum Buch
Glitzernd, glanzvoll, grausam – willkommen in der Welt der Belles! Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt, und nur die Belles können den Menschen Schönheit verleihen. Camelia ist eine Belle – schön, begehrt, mit magischen Fähigkeiten. Am Königshof will sie allen zeigen, dass sie die Beste ist. Doch hinter den schillernden Palastmauern lauern dunkle Geheimnisse. Camelia erkennt, dass ihre Fähigkeiten viel stärker und gefährlicher sind, als sie es je für möglich gehalten hätte. Sie sind eine Waffe, die sich andere zunutze machen wollen. Daher muss sie sich entscheiden: Soll sie die Tradition der Belles bewahren oder ihr eigenes Leben riskieren, um ihre Welt für immer zu verändern? Das Schicksal der Belles und von Orléans liegt mit einem Mal in ihren Händen … [Thienemann Verlag]
| Titel | The Belles 1: Schönheit regiert |
| Genre | Fantasy, Dystopie |
| Autor:in | Dhonielle Clayton |
| Altersempfehlung | ab 14 Jahren |
| Umfang | 512 Seiten |
| Sprache | Deutsch |
| Band | Band 1 von 3 |
| Erschienen | Februar 2019 |
| Verlag | Planet! von Thienemann Verlage |
| ISBN | 978-3-522-65405-0 |
Trigger-Warnungen: Körperliche Gewalt, sexuelle Gewalt, Mord, Koma, Tod nahestehender Personen, Mobbing, Ableismus, Selbstverletzung, medizinische Experimente, Body-Shaming, Klassismus, Diskriminierung, Erbrechen, Tierquälerei
Buchrezension zu The Belles
The Belles von Dhonielle Clayton ist ein Jugend-Fantasy-Roman, der wie ein prächtig dekorierter Kuchen wirkt, der außen süß und verlockend aussieht, innen aber einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Hinter Kleidern, Glanz und Magie verbirgt sich eine Geschichte, die sich langsam entfaltet wie ein Vorhang auf einer Bühne und dabei immer deutlicher zeigt, wie hässlich eine Welt werden kann, die Schönheit über alles stellt.
Die Handlung spielt in Orléans, einer Welt, die auf den ersten Blick schillert wie ein endloser Ballsaal. Die Menschen werden dort grau und unscheinbar geboren, bis die sogenannten Belles mit ihrer Magie eingreifen. Sie können Körper, Gesichter und sogar bestimmte Eigenschaften verändern, ganz nach Wunsch, wie Künstlerinnen verwandeln sie die Menschen zu Kunstwerken. Camellia ist eine dieser Belles und wurde wie ihre Schwestern seit ihrer Kindheit darauf vorbereitet, eines Tages am Hof zu dienen. Ihr größter Traum ist es, zur Favoritin der Königin ernannt zu werden, ein Ziel, das für sie anfangs so strahlend wirkt wie eine Krone aus Gold.
Der Schreibstil von Dhonielle Clayton
Die Wie-Vergleiche ziehen sich durch das ganze Buch ebenso üppig wie in dem obigen Absatz. Das ist ein Schreibstil, an den ich mich erst gewöhnen musste, an dem ich aber zunehmend mehr und mehr Gefallen gefunden habe. Oder, um es in Clayton-Manier zu beschreiben: Der Schreibstil ist üppig und detailreich, fast überladen, wie ein Zuckerguss, der in manchen Momenten zu dick aufgetragen ist.
Gerade zu Beginn zieht sich die Geschichte, weil sehr viel Wert auf Beschreibungen gelegt wird. Das kann ermüden, fühlt sich aber gleichzeitig passend an, weil auch Camellia von all den Eindrücken überwältigt ist. Die Welt wird Schicht für Schicht aufgebaut. Spätestens im letzten Drittel nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf und entwickelt eine Sogwirkung, der ich mich nicht mehr entziehen konnte.
Schönheit als Zwang
Besonders stark ist das Buch in seiner Grundidee. Schönheit ist in Orléans kein Geschenk, sondern ein Zwang. Weil alles verändert werden kann, ist niemand jemals zufrieden. Der Wunsch, perfekt zu sein, frisst sich durch die Gesellschaft wie eine Krankheit. Die Menschen lassen Schmerzen über sich ergehen, nur um einem Ideal näherzukommen, das sich ständig verändert. Diese Thematik wirkt erschreckend aktuell und regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu sein.
Die Autorin wünscht sich in ihrem Leser*innenbrief am Ende folgendes und ich kann sagen, dass sie das zumindest bei mir erreicht hat:
So unangenehm die Ideen in The Belles auch sein mögen, ich hoffe, dieses Buch bringt uns dazu, über Kommerzialisierung von weiblichen Körpern zu reden; über die medialen Botschaften, die wir jungen Leuten über den Wert ihres Aussehens zukommen lassen; darüber, was als schön betrachtet wird; und über die Mächte, die dafür sorgen, dass sich alles ins Groteske verschiebt. [The Belles von Dhonielle Clayton, S. 498]
Charaktere
Die Figuren sind unterschiedlich gelungen. Camellia ist ehrgeizig, stolz und oft blind für das Offensichtliche, was sie nicht immer sympathisch macht. Ihre Entwicklung verläuft langsam, manchmal zu langsam, aber gerade das macht deutlich, wie schwer es ist, ein System zu hinterfragen, in dem man selbst erhöht wurde. Die Beziehung zu ihren Schwestern ist dagegen wohltuend, weil sie eher von Zusammenhalt als von Rivalität geprägt ist. Nebenfiguren wie Rémy stechen positiv hervor, während die romantischen Elemente insgesamt eher dezent bleiben und nicht besonders viel Tiefe erreichen. Die Gegenspieler*innen hingegen sind düster und grausam gezeichnet und das so gut, dass ich irgendwann selbst Wut-Gefühle ihnen gegenüber entwickeln konnte.
Kritik an The Belles
Nicht alles funktioniert reibungslos. Manche Wendungen sind vorhersehbar, einige Aspekte der Magie und des Weltenbaus bleiben vage, und die Vielzahl an Beschreibungen kann zeitweise erdrückend wirken.
The Belles in 3 Worten
🥀 Schönheitswahn.
🥀 Perfektionismus.
🥀 Macht.
Mein Fazit
Am Ende bleibt The Belles vor allem wegen seiner Botschaft im Gedächtnis. Orléans ist ein Spiegel für unsere eigene Gesellschaft. Für mich war das Buch ein fesselnder Pageturner, der schon seit vielen Tagen nachhallt und Lust darauf macht, die Fortsetzung zu lesen. Ich kann das Buch absolut empfehlen, besonders für Leser*innen wie mich, die hin und wieder glauben, sie würden gar nicht allzu viel auf Schönheit geben und trotzdem ab und an dann doch wieder in die Falle von Trends und Selbstkritik rauschen.
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Diese neugierige Seele stammt us dem rauen Norden, wo Wind und Wellen das Land formen. Getrieben von Neugier zieht sie durch Tavernen, Häfen und ferne Länder und ist dabei immer auf der Suche nach den Wahrheiten hinter den Märchen. „Thale Grimm“ ist ihr Pseudonym, unter dem die Autorin ihre Gedanken und Erzählungen teilt.
